📍 Montbéliard
🗓️ 2026-04-21
🌡️ 19 °C
🏍️ 227 km gefahren
Heute Morgen bin ich aufgewacht und hatte erstmal Halsschmerzen. Nicht dramatisch, aber genau die Sorte Start in den Tag, auf die man unterwegs sehr gut verzichten kann. Eigentlich wollte ich heute noch einmal einen schönen Schlenker durch den Jura machen, weiter Richtung Süden, noch ein bisschen Landschaft mitnehmen und dann in einem Bogen wieder nach Norden ziehen. Daraus wurde nichts. Ich habe ziemlich schnell beschlossen, den Plan einzukürzen und lieber schon Richtung Heimat beziehungsweise Richtung Route des Crêtes zu fahren. Einfach weil ich keine große Lust hatte, irgendwo im Ausland ernsthaft krank zu werden.
Also erstmal der Versuch, halbwegs vernünftig in den Tag zu starten: Apotheke suchen, irgendwas für den Hals besorgen, dazu möglichst einen heißen Kaffee und vielleicht ein bisschen Gebäck, um den Morgen wieder in die richtige Richtung zu schubsen. Die Apotheke habe ich gefunden. Natürlich hatten sie nicht genau das, was ich im Kopf hatte, weil hier gefühlt sowieso alles ein bisschen anders heißt und anders aussieht. Aber immerhin habe ich etwas für den Hals bekommen. Dazu gab es Madeleines au Chocolat, Croissants und Kaffee. Der Kaffee bekommt allerdings maximal 2 von 5 Tassen. Netter Laden, viel Auswahl beim Gebäck, aber leider nur so ein Kapselautomat. Und genauso hat das Zeug dann auch geschmeckt: ein unauffälliger Lungo mit etwas Milch, technisch gesehen Kaffee, aber ohne jede Leidenschaft in der Tasse. ☕😄
Schon am Anfang der Fahrt war mir aufgefallen, dass die Kupplung irgendwie anders kommt als sonst. Nicht dramatisch, aber eben auch nicht so, dass man es einfach komplett wegignoriert. Eher dieses unangenehme „Da stimmt doch was nicht“, das man erstmal beobachtet und gleichzeitig hofft, dass es sich vielleicht wieder gibt. Also bin ich zunächst weitergefahren, in der Hoffnung, dass es nur eine Laune der Technik ist und sich das Ganze vielleicht wieder normalisiert.
Unterwegs bin ich dann an den Gorges de la Saine angekommen, genauer an der Stelle mit dem klangvollen Namen Bief de la Ruine. Allein die Namen klingen schon so, als müsste dort eigentlich ein Naturfilm in Cinemascope laufen. Vor Ort war der berühmte Wasserfall allerdings eher in Zurückhaltung geübt. Sagen wir es freundlich: Die Kulisse war da, das Wasser eher nicht. Statt donnernder Kaskade also eher trockene Felsrinne mit Brücke. Aber selbst das hatte irgendwie was. Jura bleibt eben Jura: Felsen, Wald, Schlucht, Ruhe. Es muss nicht immer alles tosen und sprühen, um Eindruck zu machen. 🌲🪨
Danach habe ich die Sache mit der Kupplung nochmal genauer im Blick behalten und schließlich festgestellt, dass der Behälter praktisch leer ist. Spätestens da war klar: Das bilde ich mir nicht ein. Ich habe dann sogar noch meinen digitalen Beifahrer befragt, und auch dort war die Einschätzung ziemlich eindeutig: So besser nicht einfach weiterfahren. Da ganz in der Nähe, nur etwa 15 Minuten entfernt, ein freier Motorradhändler war, habe ich genau deshalb umgedreht. Diese kleine Schleife am Anfang der Strecke kommt also nicht von einem spontanen Abstecher, sondern von dem Moment, in dem aus einem unguten Gefühl ein echtes Problem wurde und die nächstgelegene Werkstatt plötzlich wichtiger war als jede geplante Route.
Die eigentliche Sorge war dabei gar nicht nur, dass die Kupplung sich anders anfühlt, sondern dass sie irgendwann nicht mehr sauber trennt. Und das ist unterwegs natürlich genau die Sorte Problem, die man überhaupt nicht haben will. Denn wenn die Kupplung nicht mehr richtig trennt, wird schon simples Anhalten plötzlich zum Risiko. Genau dieser Gedanke fuhr ab da die ganze Zeit mit.
Bei dem freien Motorradhändler angekommen, war dann auch schnell klar, dass mit dem Gefühl leider nicht übertrieben war. Er hat kurz draufgeschaut und ziemlich schnell festgestellt, dass im Kupplungssystem etwas undicht ist und deshalb Flüssigkeit austritt. Der Behälter am Kupplungshebel war entsprechend leer. Viel schlimmer: Er konnte es nicht selbst reparieren und hatte auch keine passenden Teile da. Also wurde ich weitergeschickt, und zwar nach Besançon. Damit war der Tag endgültig offiziell umgebaut. Statt entspanntem Jura-Bogen hieß es nun: ungefähr 100 Kilometer extra, anderthalb Stunden Fahrt, komplett raus aus der eigentlich geplanten Route. 🛠️
Eigentlich hatte ich heute außerdem noch vor, ein bekanntes Kloster im Jura zu besuchen – die Abtei von Baume-les-Messieurs, die spektakulär in einem von Felswänden umschlossenen Kessel liegt. Das wäre sicher großartig gewesen. Nur hilft einem die schönste Klosterkulisse nichts, wenn man nicht weiß, ob die Kupplung einem gleich komplett den Tag abräumt. Also fiel auch das flach.
In Besançon bei der BMW-Werkstatt wurde dann erstmal die Hydraulikflüssigkeit der Kupplung wieder aufgefüllt. Das eigentliche Problem blieb aber: Der Kupplungsnehmerzylinder ist offenbar undicht. Heißt unterm Strich: Solange ich kupple, verliere ich wieder Flüssigkeit. Eine Reparatur war dort heute trotzdem nicht drin, weil in der Werkstatt nichts frei war. Also blieb nur die improvisierte Lösung: Behälter voll, weiterfahren, beobachten, hoffen.
Die gute Nachricht: Nach dem Auffüllen fühlte sich die Kupplung sofort wieder deutlich normaler an. Der Druckpunkt war wieder da, wo er hingehört, und das Motorrad fuhr sich wieder so, wie ich es kenne. Die schlechte Nachricht: Das ungute Gefühl fährt natürlich mit. Denn nur weil es jetzt wieder funktioniert, heißt das ja nicht, dass es auch so bleibt.
Danach ging es weiter zum Restaurant zur goldenen Möwe, um bei einem Eiskaffee (3/5 Tassen) die weitere Tagesplanung, bzw. das heutige Ziel festzulegen: Montbéliard. Und obwohl der Tag streckentechnisch völlig aus dem Ruder lief, war die Fahrt landschaftlich trotzdem alles andere als langweilig. Zwischen Besançon und Montbéliard waren immer wieder richtig schöne Abschnitte dabei: große Felswände links und rechts, Burgen oben auf den Höhen, Täler, Flussabschnitte und diese typische Jurakulisse, bei der man am liebsten ständig anhalten würde. Eine besonders große Burg ist mir aufgefallen, dazu an anderer Stelle noch eine weitere hoch oben auf den Bergen. Wirklich identifizieren konnte ich sie unterwegs natürlich nicht, und angehalten habe ich heute wegen der ganzen Situation sowieso kaum. Aber schön war es. Richtig schön sogar. Nur eben auf eine Art, bei der man innerlich ständig zwischen „Wow“ und „Bitte halte einfach bis zum Hotel“ pendelt. 🏰
Jetzt sitze ich also in Montbéliard im Hotel, es ist schon halb sieben, und immerhin: Bis hierhin hat die nachgefüllte Flüssigkeit gehalten. Die Kupplung arbeitet wieder mit erkennbarem Druckpunkt, das Fahren war deutlich entspannter als vorher. Trotzdem bleibt da dieses ungute Gefühl im Hintergrund. Ich weiß nicht, ob morgen früh noch genug Flüssigkeit drin ist. Ich weiß nicht, ob die alte Lady die Route des Crêtes noch mitmacht. Und ich weiß auch nicht, ob Frankreich und sie vielleicht einfach grundsätzlich eine toxische Beziehung führen. Jedes Mal, wenn ich mit ihr hier bin, ist irgendwas. Letztes Mal Elektrik, diesmal Kupplung. Immer Frankreich, immer allein. Irgendwann darf man schon anfangen, das persönlich zu nehmen. 😄🇫🇷
Ich hatte heute im Endeffekt zwei Optionen: Entweder direkt Richtung Deutschland, also möglichst schnell rüber zur Grenze, um im Zweifel dort bessere Karten mit Versicherung, Hilfe und Heimweg zu haben. Oder erstmal weiter in Frankreich bleiben und schauen, ob sich das Problem vielleicht doch noch im Rahmen hält. Ich habe mich erstmal für Frankreich entschieden und wollte grundsätzlich weiter Richtung Route des Crêtes. Ob das morgen wirklich klappt, hängt jetzt aber komplett davon ab, wie sich die Kupplung verhält und wie viel Flüssigkeit noch im System ist.
Für heute kann man deshalb wirklich einen Haken dranmachen, weil es einer dieser Tage war, die einem unterwegs dazwischenfunken und plötzlich alles verschieben. Aus Landschaft wurde Improvisation. Aus Plan wurde Werkstatt. Und aus einem gemütlichen Tag im Jura wurde eine Etappe mit Fragezeichen.
Wie es weitergeht, entscheidet sich jetzt spontan. Und genau deshalb wird das hier auch erstmal der letzte Beitrag von unterwegs. Der Rest folgt später von zu Hause – dann mit der Auflösung, ob die alte Lady und ich es noch aus eigener Kraft heim geschafft haben oder ob Frankreich am Ende doch wieder das letzte Wort hatte. 😉
Fazit: Heute war einer dieser Reisetage, an denen man morgens noch an Halsschmerzen denkt und ein paar Stunden später bei Werkstätten, Hydraulikflüssigkeit und Plan B landet. Schön war es trotzdem immer wieder – nur eben anders als gedacht. Jetzt heißt es erstmal abwarten, hoffen und morgen schauen, was die alte Lady noch mitmacht. 🏍️












Ach man….. Das ist wirklich nicht schön und vergrault den halben Urlaub (bis dahin war er ja wenigstens sehr schön)
Komm gut heim, ich drücke dir alle Pfoten das noch ein paar schöne Kilometer für dich drin sind.
🙏❤️😘
❤️