📍 Maîche
🗓️ 202z-04-19
🌡️ 17 °C
🏍️ 807 km gefahren
Manchmal muss man sich das Schöne eben erst verdienen. In diesem Fall mit einem Tag, den man ganz nüchtern als das bezeichnen kann, was er war: ein reiner Autobahntag.
Irgendwie muss man ja erstmal in den Süden kommen. Also hieß es zum Auftakt: über 500 Kilometer Autobahn mit dem Motorrad. Und wie zu erwarten war das ungefähr so reizvoll, wie es klingt. Viel Geradeaus, viel Strecke, wenig Romantik. Immerhin spielte das Wetter mit. Bei rund 22 Grad war es sogar schon fast zu warm. Am Ende des Tages stand Baden-Baden auf dem Zettel – und zur Belohnung gab es am Abend erstmal eine große Pizza. Auch so kann man einen eher zähen Anreisetag versöhnlich beenden.
Die Nacht in Baden-Baden war dann erfreulich gut. Bequemes Bett, ordentlich geschlafen, also genau das, was man nach so einem Autobahnritt braucht. Der Kaffee am nächsten Morgen bekommt von mir solide 4 von 5 Tassen, dazu gab es ein Buttercroissant und ein Schokobrötchen. Kein großes Gourmet-Frühstück, aber absolut geeignet, um die Maschine und den Fahrer wieder in Richtung Reiselust zu bringen. ☕
Beim Losfahren zeigte der nördliche Schwarzwald dann erstmal, dass er an diesem Morgen nicht mit Postkartenmotiven glänzen wollte. Es fing in Baden-Baden zunächst an zu regnen, und ich durfte erstmal ungefähr eine halbe Stunde durch den Regen fahren. Danach wurde es zwar besser, aber direkt im Anschluss ziemlich neblig.
Direkt zu Beginn der Schwarzwaldhochstraße wurde es dann stiller als sonst. Dort gibt es einen Gedenkkilometer für alle Motorradfahrer, die auf dieser Strecke verunglückt sind. Also Musik aus. Und mit einem dicken Kloß im Hals ein paar Gedanken an die Fahrer und an die Menschen, die sie vermissen. So ein Moment holt einen sehr schnell aus jeder Tourenleichtigkeit raus.
Danach ging es weiter über die Schwarzwaldhochstraße, die an sich ja eigentlich ein echter Klassiker ist. Leider war von klassischer Schwarzwaldherrlichkeit nicht viel zu sehen, weil der Nebel zuverlässig alles geschluckt hat. Am Mummelsee? Nichts. An einem hochgelegenen Punkt mit Aussicht? Ebenfalls nichts. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es schön gewesen wäre, wenn man etwas erkannt hätte. So war es eher eine Fahrt durch eine graue Wand mit angeschlossener Hoffnung auf Besserung. 😄
Später wurde das Wetter dann freundlicher. Der Nebel verschwand, es blieb zwar stark bewölkt und mit gerade mal 10 Grad ziemlich frisch, aber immerhin war wieder etwas von der Welt zu sehen. Und fahrerisch wurde es im Schwarzwald dann richtig gut: schöne Strecken, angenehm kurvig, genau die Art Straßen, für die man mit dem Motorrad losfährt. Der einzige Nachteil an solchen Momenten ist, dass man unterwegs nicht ständig anhalten und fotografieren kann. Gerade auf dem Motorrad sammelt man oft unfassbar viele Eindrücke, ohne sie immer in Bildern festhalten zu können. Ich bin unterwegs an schönen Burgruinen vorbeigekommen, habe viel gesehen, aber eben nicht alles fotografiert. Das ist ein bisschen schade – gehört aber eben auch zum Motorradfahren dazu.
Kurz vor der Grenze wurde es dann nochmal richtig schön. Ich war in Endingen, also am Rand des Kaiserstuhls, und habe dort erstmal eine gemütliche Pause eingelegt. Bevor die Verständigungsprobleme losgehen und plötzlich nur noch Französisch um einen herum zu hören ist, gab es für mich noch ein ordentliches Fleischkäsebrötchen. Die alte Lady musste dagegen noch ein bisschen warten. In der Hoffnung, dass der Sprit in Frankreich günstiger ist, wurde das Tanken erstmal verschoben.
Und tatsächlich: In Frankreich war der Sprit dann wirklich günstiger. Kaum zu glauben, aber plötzlich stand da wieder eine 1 vor dem Komma. Klar, es kratzt trotzdem schon an der 2-Euro-Marke, aber trotzdem – man freut sich ja mittlerweile schon über Dinge, die vor ein paar Monaten noch völlig absurd geklungen hätten. 😄
Das Wetter machte zu diesem Zeitpunkt auch endlich richtig mit. Die Sonne kam raus, und bei 16 Grad fühlte sich die Tour direkt deutlich freundlicher an.
Offenbar war ich dort außerdem in einem Weingebiet unterwegs. Was auch kein Wunder ist, denn rund um den Kaiserstuhl dreht sich vieles um Reben, Hügel und Ausblicke. Jedenfalls bin ich noch ein Stück in die Weinberge hineingefahren und wurde mit einem wirklich wunderschönen Ausblick belohnt. Den Schwarzwald konnte ich klar sehen, und ich meine, vielleicht sogar schon die Vogesen erkannt zu haben – ganz sicher bin ich da aber nicht. Um mich herum Weinberge, keine Menschenseele, herrliche Ruhe und einfach dieses Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein. Solche Zufallsfunde sind oft die besten.
Der Grenzübertritt nach Frankreich selbst war dann überraschend unspektakulär. Einfach über den Rhein – und zack, drüben. Danach ging es allerdings erstmal recht lange am Rhein entlang Richtung Süden, also durch den Sundgau im südlichen Elsass. Und ich will ehrlich sein: Das war fahrerisch eher zäh. Viel geradeaus, oft nur 50, manchmal 70, und dazu die französische Realität außerhalb geschlossener Ortschaften mit ihren 80 km/h. Es gibt Straßen, die man fährt, weil sie schön sind. Und es gibt Straßen, die man fährt, weil sie nun mal auf dem Weg liegen. Das hier war eher Kategorie zwei.
Das Wetter dagegen wurde immer besser. Blauer Himmel, freundlich, insgesamt wirklich schön. Nur dieser ständige Wechsel aus Sonne und Wolken war manchmal ein bisschen anstrengend, weil es abwechselnd blendete und im nächsten Moment wieder deutlich dunkler wurde. In Kappelen in Frankreich waren es zu dem Zeitpunkt 17 Grad – also insgesamt gute Bedingungen, auch wenn das Licht nicht immer ganz entspannt war.
Zum Glück blieb es nicht bei dem langweiligen Rhein-Abschnitt. Je weiter es ins französische Inland ging, desto besser wurde die Landschaft. Die Straßen wurden deutlich kurviger, es wurde wieder bergiger, und auf einmal war er wieder da: dieser Moment, in dem Motorradfahren nicht nur Fortbewegung ist, sondern richtig Spaß macht. Fünf Kilometer vor der Schweizer Grenze war endgültig klar: Jetzt beginnt der schöne Teil der Tour.
Und genau hier kam dann noch ein Moment dazu, der sofort Erinnerungen geweckt hat. Ich bin durch eine Gegend gefahren, die Regine und ich letztes Jahr schon zusammen gefahren sind. Und plötzlich war alles wieder da. Ich konnte förmlich genau die Stelle ausmachen, an der beim Vitara damals die Batterielampe anging. Und ich bin auch an dem Bäcker vorbeigefahren, bei dem wir damals diese richtig leckeren Croissants gegessen haben. Schon verrückt, wie schnell einen so eine Strecke direkt wieder in einen anderen Moment zurückwerfen kann.
Später ging es hinein in den Jura-Raum, und dort wurde die Landschaft endgültig so, wie man sie sich für so eine Tour wünscht: mehr Relief, mehr Charakter, mehr Motorrad. Irgendwann tauchte dann auch der Doubs auf – beziehungsweise die Strecke führte ein Stück entlang dieses Flusses. Und da war er dann, dieser typische Jura-Moment: Straße, Fluss, bewaldete Hänge, Felsen, Ruhe. Genau solche Abschnitte sind es, wegen denen man die vielen zähen Kilometer am Anfang überhaupt in Kauf nimmt.
Am Ende des Tages bin ich dann in Maîche angekommen, bei einem privaten Gastgeberpärchen. Und ehrlich gesagt: Es war gar nicht so einfach, hier überhaupt eine Unterkunft zu finden. Umso besser, dass es am Ende geklappt hat.
Unterm Strich waren diese ersten beiden Tage genau die Mischung, die zu so einem Roadtrip eben dazugehört: erst Pflichterfüllung auf der Autobahn, dann Regen, Nebel und graue Schwarzwald-Momente, später Sonne, Kaiserstuhl, Frankreich, Erinnerungen an frühere Touren, günstigerer Sprit, Sundgau, Jura, der Doubs – und endlich wieder echter Fahrspaß. Der Auftakt hatte also von allem etwas – nur eines ganz sicher nicht: Langeweile.
Fazit: Trotz langweiliger Autobahn, Regen und Nebel war der Einstieg in die Tour am Ende genau richtig: erst Pflichterfüllung, dann langsam immer mehr Landschaft, Kurven und echtes Roadtrip-Gefühl. Spätestens ab Frankreich wurde klar, dass sich die Anreise gelohnt hat. Und mit dem Jura vor der Nase fühlt es sich jetzt endlich so an, als hätte die Reise wirklich begonnen. 😊
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