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📍 Aalen

🗓️ 2025-05-30

🌡️ 27°C

🏍️ 602 km gefahren

Es gibt Starts in den Urlaub, die laufen einfach rund. Man packt die Sachen aufs Motorrad, winkt dem Alltag freundlich zum Abschied, rollt los und irgendwo hinter dem Horizont warten Berge, Seen und guter Kaffee.

Und dann gibt es meinen Start.

Morgens ging es von zuhause los. Die alte Lady war bereit, der frische Hinterreifen montiert, der Nehmerzylinder repariert und ich voller Vorfreude. Endlich wieder unterwegs. Richtung Süden, Richtung Alpen, Richtung oberitalienische Seen. Nach der Frankreich-Jura-Tour im April war da einfach noch etwas offen. Damals hatte ich die Alpen nur aus der Ferne gesehen. Diesmal wollte ich näher ran.

Bis Kassel lief auch alles soweit nach Plan. Und dann kam die erste Hiobsbotschaft dieser Reise: Der linke Blinker war tot. Nicht schwach. Nicht zickig. Nicht „vielleicht blinke ich später wieder“. Sondern komplett tot. Keine Kontrollleuchte im Cockpit, kein Blinken vorne, kein Blinken hinten. Nichts. Für eine Motorradtour ist das ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm aus Küchenpapier.

Also stand ich auf einem Rastplatz bei Kassel und begann zu telefonieren. Werkstätten im Umkreis, BMW-Werkstatt in Kassel, irgendjemand musste doch helfen können. Die normale Werkstatt konnte nicht mehr viel ausrichten, weil kein Servicemitarbeiter mehr da war. Immerhin bekam ich eine BMW-Notfallnummer in München.

Dort erreichte ich tatsächlich jemanden. Und dann begann der Teil, den man später mit Humor erzählen kann, während man ihn in dem Moment ungefähr so lustig findet wie eine Wespe im Helm: Warten. Drei Stunden. Bei rund 27 Grad. Ohne Schatten. In Motorradklamotten.

Ich zog mich irgendwann ins Raststättenrestaurant zurück, weil draußen einfach keine Luft mehr war. Currywurst, Pommes und Cola wurden zur improvisierten Krisenversorgung. Nicht unbedingt Alpenküche, aber in diesem Moment vollkommen ausreichend. Währenddessen lief im Kopf immer wieder dieselbe Frage: War es das jetzt schon? Wenn der Blinker nicht repariert werden kann, ist die Tour vorbei. Für mich war klar: Ohne funktionierenden Blinker geht es nicht weiter.

Irgendwann kam dann die Pannenhilfe. Der Mann war freundlich, sagte aber auch direkt, dass Motorräder nicht unbedingt sein Spezialgebiet seien. Seine erste Amtshandlung: Notebook anschließen. Ich hatte schon den Verdacht, dass das in diesem Fall ungefähr so viel bringen würde wie ein Wetterbericht von letzter Woche. Denn Warnblinker und Hupe funktionierten noch. Ein Kabelbruch war damit eher unwahrscheinlich. Es deutete alles auf den Schalter hin.

Da er im Fahrzeug kein passendes Feinwerkzeug dabeihatte, bot er an, gemeinsam zur Werkstatt zu fahren und den Schalter dort zu öffnen. Was es kosten würde? Schwierig. Wie lange es dauern würde? Auch schwierig. Ob es klappt? Ebenfalls schwierig. Kurz gesagt: Alles schwierig. Aber eine echte Alternative gab es nicht. Also fuhr ich mit.

In der Werkstatt wurde der Schalter geöffnet und die Diagnose war eindeutig: innen korrodiert. Der Taster für den linken Blinker war nicht mehr zu retten. Ein neuer Schalter? Nicht verfügbar. Wird für die Maschine offenbar nicht mehr hergestellt. Die alte Lady ist eben nicht mehr ganz taufrisch, auch wenn sie das selbst vermutlich anders sieht.

Dann kam die Improvisation. Es gab noch andere Taster am linken Schalterblock, unter anderem den ABS-Taster. Die Idee: den ABS-Taster umlöten und künftig als Blinkertaster verwenden. Keine Erfolgsgarantie, unklare Dauer, unklare Endkosten. Zu dem Zeitpunkt standen schon etwa 80 Euro nur fürs Nachsehen im Raum. Was sollte ich machen? Tour abbrechen oder den Lötkolben sprechen lassen? Also sagte ich: Machen.

Der Helfer verschwand mit dem Schalter, holte den Lötkolben und machte sich an die Arbeit. Ich wartete in der Werkstatt, wo es ebenfalls ordentlich warm war. Irgendwann kam er zurück, baute alles wieder zusammen, und dann passierte das kleine Wunder von Kassel: Der linke Blinker funktionierte wieder.

Nicht original, nicht elegant, aber funktional. Und an diesem Tag war funktional ungefähr dasselbe wie Weihnachten, Geburtstag und ein freier Passübergang gleichzeitig.

Die Rechnung war dann allerdings weniger weihnachtlich: 262 Euro. Stolzer Preis, aber immerhin war die Tour gerettet. Und ganz ehrlich: In dem Moment war mir wichtiger, weiterfahren zu können, als noch lange über den Betrag zu philosophieren.

Gegen halb sieben, sieben Uhr ging es endlich weiter. Mein Tagesziel war Aalen, und das lag noch ungefähr vier Stunden entfernt. Das Navi zeigte eine Ankunft gegen 23 Uhr an. Und genau so kam es dann auch.

Ich fuhr also in den Sonnenuntergang hinein. Das klingt romantischer, als es war. Denn irgendwann war der Sonnenuntergang weg und übrig blieb eine ziemlich dunkle, lange, zähe Autobahnfahrt auf der A7. Es zog sich. Es machte irgendwann keinen Spaß mehr. Aber es ging voran. Kurz vor 23 Uhr kam ich schließlich in Aalen an. Müde, verschwitzt, 262 Euro ärmer, aber immerhin noch auf Tour.

Und weil dieser erste Tag offenbar noch einen kleinen technischen Nachschlag brauchte, stellte ich in Aalen fest, dass sich nun auch noch mein GPS-Tracker aufgehängt hatte und nicht mehr funktionierte. Blinker gerettet, Tracker beleidigt. Technikbilanz: ausbaufähig.

Aber die alte Lady stand da. Ich war da. Die Reise war nicht vorbei. Und manchmal reicht das für Tag 1 völlig aus.

Fazit: Manchmal reicht ein einziger Defekt, um aus Vorfreude plötzlich Unsicherheit zu machen. Tag 1 war anstrengend, teuer und nervenaufreibend – aber er endete mit der wichtigsten Erkenntnis: Die Reise ist noch nicht vorbei.

Einzelheiten
2026-05-30 OIS Tag 1

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