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📍 Bellinzona

🗓️ 2026-06-05

🌡️ 25 °C

🏍️ 241 km gefahren

Der Tag begann in Laino mit einem wunderschönen Glockenspiel. Als ich die Augen öffnete, zeigte das Thermometer gerade einmal elf Grad. Die Sonne war allerdings schon da und verspach einen traumhaften Tag.

Laino ist genau die Art von Ort, in der ich gerne übernachte. Kleine Dörfer sind deutlich ruhiger als große Städte. Man schläft besser, wacht entspannter auf und hat nicht ständig Verkehrslärm vor dem Fenster. Die Kehrseite zeigte sich allerdings direkt am Morgen. Während man in größeren Orten oft an jeder Ecke einen Cappuccino bekommt, muss man hier erstmal suchen. Fündig wurde ich schließlich an einer Tankstelle. Klingt wenig vielversprechend. War es aber nicht.

Fast jede Tankstelle hier verfügt über eine ordentliche Siebträgermaschine. Dazu italienische Musik, Sonnenschein und das Rauschen des Wassers in der Nähe. Viel mehr braucht es für einen gelungenen Start in den Tag eigentlich nicht. Der Cappuccino bekommt vier von fünf Tassen auf der Pawtrail Kaffeeskala. Der einzige Fehler italienischer Cappuccini bleibt ihre Größe. Kaum sitzt man gemütlich da, ist die Tasse schon wieder leer.

Nach dem Frühstück ging es weiter Richtung Luganer See. Die Grenze zwischen Italien und der Schweiz spielte heute gefühlt keine große Rolle mehr. Mal war ich in der Schweiz, dann wieder in Italien, kurz darauf wieder in der Schweiz. Irgendwann habe ich aufgehört mitzuzählen.

Der Luganer See gefiel mir auf Anhieb. Die Strecke führte immer wieder direkt am Wasser entlang. Ich hielt mehrfach an, setzte mich auf einen Steg oder blieb einfach kurz stehen und genoss die Aussicht. Das Wasser glitzerte in der Sonne, die Temperaturen waren angenehm und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite.

Auf einer der engen Ortsdurchfahrten gab es allerdings eine unschöne Szene. Vor mir fuhr ein kleines Wohnmobil. Die Fahrerin lenkte in einer schmalen Gasse etwas zu früh ein und blieb mit dem Seitenfenster an einer Hauswand hängen. Das Fenster wurde dabei eingedrückt. Kein schöner Anblick. Gerade auf diesen engen Straßen reicht manchmal ein einziger Moment Unachtsamkeit.

Je weiter ich fuhr, desto schöner wurde die Strecke. Die Straßen wurden schmaler, die Orte kleiner und der Verkehr weniger. Genau die Art von Straßen, die ich mag. Ein Traum für mein Bikerherz. Später erreichte ich den Lago Maggiore. Landschaftlich wunderschön. Verkehrstechnisch eher nicht.

Überall Touristen, viele Fahrzeuge und viel Betrieb. Ich blieb deshalb nicht lange auf den Hauptstraßen. Stattdessen bog ich wieder auf kleine Nebenstraßen ab und schraubte mich langsam in die Höhe.

Über Armio ging es weiter Richtung Alpe di Neggia. Der Pass selbst war erstaunlich leer. Oben angekommen erwartete mich allerdings das genaue Gegenteil. Die Parkplätze waren voll und viele Wanderer nutzten das schöne Wetter für einen Ausflug. Von dort oben hatte man noch einmal einen tollen Blick auf den Lago Maggiore.

Mit dem Essen wurde es allerdings wieder schwierig. Unterwegs hatte ich bereits Spaghetti Bolognese für siebzehn Schweizer Franken entdeckt. Das entsprach ungefähr zwanzig Euro und ließ meinen Hunger spontan etwas kleiner werden. Oben am Pass hatte dann auch noch alles geschlossen. Also blieb es bei Fotos und der Weiterfahrt.

Kurz vor Locarno gab es dann noch eine Überraschung. Ich begegnete bereits zum dritten Mal dem Motorradfahrer, den ich vor einigen Tagen in Prad kennengelernt hatte. Derselbe Fahrer, dieselbe Maschine und dasselbe markante Windschild. Mittlerweile war ich mir absolut sicher. Ich grüßte kurz, aber vermutlich hat er mich wieder nicht erkannt.

Manche würden wahrscheinlich denken, so etwas könne gar nicht sein. Ich hätte es vorher vermutlich auch nicht geglaubt. Wenn man darüber nachdenkt, ist diese Gegend aber so schön und motorradfreundlich, dass es eigentlich gar nicht so unwahrscheinlich ist. Wer weiß, ob ich ihm noch ein weiteres Mal begegne.

In Locarno warteten dann fünfundzwanzig Grad und zähfließender Stadtverkehr. Nach den ruhigen Bergstraßen war das eine kleine Geduldsprobe. Eigentlich wollte ich irgendwo einkehren. Die Bars, die ich fand, hatten allerdings nur Getränke im Angebot.

Am Ende gewann die Pragmatik. McDonald’s. Nicht besonders schweizerisch. Nicht besonders italienisch. Aber manchmal muss einfach etwas Essbares her.

Nach Locarno wurde die Strecke wieder deutlich interessanter. Das Tal wurde enger, die Berge rückten näher und die Temperaturen angenehmer. Die Straße führte immer tiefer ins Val Sambuco hinein. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob sich der lange Abstecher überhaupt lohnen würde. Mit jedem Kilometer wurde die Antwort klarer. Ja! 😃

Hier oben wurde es ruhig. Sehr ruhig. Kaum Verkehr, kaum Menschen und dafür immer mehr Natur. Der Lago del Sambuco beeindruckte bereits von Weitem. Als ich später auf der Staumauer stand, wurde deutlich, welche Dimensionen die Anlage hat. Der See wirkt künstlich und technisch geprägt, gleichzeitig fügt er sich erstaunlich gut in die Berglandschaft ein. Ganz falsch war dieser Eindruck nicht: Der Lago del Sambuco ist ein Stausee, dessen Bogenstaumauer rund 130 Meter hoch und 363 Meter lang ist. Fertiggestellt wurde sie 1956.

Je höher ich kam, desto näher rückte die Baumgrenze. Die Landschaft wurde immer alpiner. Und dann tauchten sie plötzlich auf. Murmeltiere. Mehrere davon. Immer wieder huschte irgendwo eines der Tiere über die Wiesen oder verschwand zwischen den Steinen. Genau solche Begegnungen machen für mich einen großen Teil dieser Reisen aus. Man erlebt die Natur- und Tierwelt in ihren Ursprüngen.

Eigentlich sollte es anschließend noch weiter hinauf gehen. Mein Ziel waren die oberen Seen und der Lago del Naret. Die Vorfreude war groß. Die Strecke wurde immer schöner, die Landschaft immer beeindruckender. Und dann stand dort eine Schranke. Geschlossen. Ende der Reise. Zumindest für heute. 🥺

Das war wirklich ärgerlich. Gerade jetzt, wo die Baumgrenze langsam verschwand und die Landschaft immer spektakulärer wurde, hätte ich die letzten Kilometer gerne noch gesehen. Stattdessen blieb nur der Blick auf die Schranke und die Erkenntnis, dass es heute nicht weitergeht. Also umdrehen. Wer selber mal plant sich den Stausee anzusehen, sollte auf der Webseite prüfen, ob die Strasse dorthin geöffnet ist.

Am Ende führte mich die Strecke zurück nach Bellinzona. Dort kam ich am Abend bei immer noch angenehmen 22 Grad an.

Fazit: Heute war kein Tag der großen Sensationen, sondern einer der kleinen Entdeckungen. Drei Seen, stille Dörfer, enge Straßen, Murmeltiere und immer wieder dieser Moment, in dem man anhält und denkt: Genau dafür bin ich unterwegs.

Einzelheiten
2026-06-05 OIS Tag 7

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