📍 Laino Province of Como
🗓️ 2026-06-04
🌡️ 25 °C
🏍️ 297 km gefahren
Nach der entspannten Nacht in Lovere begann der Tag ungewöhnlich. Schon gestern waren überall Parkverbote aufgestellt worden, weshalb ich die alte Lady noch umparken musste. Der Grund war schnell gefunden: Filmarbeiten.
Als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, waren die Aufbauarbeiten bereits in vollem Gange. LKWs, Technikfahrzeuge und jede Menge Material standen bereit. Während ich mein Gepäck zusammensuchte und mich auf den Tag vorbereitete, verwandelte sich ein Teil von Lovere langsam in eine Filmkulisse.
Dem Intercom spendierte ich vorsichtshalber noch eine kleine Wellnessbehandlung. Nach dem Wasserdrama der vergangenen Tage wollte ich kein Risiko eingehen. Also landete das gute Stück für einige Minuten bei 50 Grad Umluft im Backofen. Andere backen Brötchen, ich Kommunikationsgeräte.
Kurz nach der Abfahrt wartete bereits die erste Überraschung. Die Carabinieri hatten die Straße gesperrt. Vor mir bildete sich eine lange Autoschlange. Englisch sprach niemand, die Übersetzungs-App produzierte hauptsächlich kreatives Kauderwelsch und irgendwo verstand ich etwas von 30 Minuten Wartezeit. Nach etwa zehn Minuten ging es plötzlich weiter.
Wenig später wurde auch klar warum. Die Straße führte direkt durch das Filmset. Während viele Autos umgeleitet wurden, durfte ich mit der alten Lady zwischen Kamerawagen, Technik-LKWs, Zelten und Produktionsfahrzeugen hindurchfahren. Prominente habe ich keine entdeckt, aber die Kulisse direkt am Iseosee war beeindruckend genug.
Danach wurde es deutlich ruhiger. Die Route führte mich über immer kleinere Straßen in Richtung Bergregion oberhalb von Albino. Irgendwann landete ich in Vall’Alta di Albino am Santuario. Hoch über dem Tal war es plötzlich still. Nach Filmset, Straßensperre und Verkehr wirkte der Ort fast unwirklich ruhig.
Von dort ging es weiter über die sogenannte Strada Verde. Ob das tatsächlich der offizielle Name ist oder nicht, weiß ich nicht. Grün war sie jedenfalls. Kein Mensch vor mir. Keiner hinter mir. Die Straßen wurden immer schmaler. Teilweise waren sie steil, eng und in keinem besonders guten Zustand. Schlaglöcher, Rollsplit, Schotter und jede Menge enge Kehren sorgten dafür, dass die alte Lady und ich heute ordentlich arbeiten musste. Oft ging es nur mit dreißig Stundenkilometern voran. Trotzdem war genau das wieder die Art von Strecke, die mir gefällt. Keine Touristenbusse, keine Menschenmassen, keine Attraktionen mit Eintrittskarte. Einfach kleine Straßen, die sich durch die Landschaft schlängeln.
Heute musste ich mich allerdings bewusst bremsen. Hinter fast jeder Kurve gab es einen Grund anzuhalten. Ein Ausblick. Ein kleines Dorf. Eine interessante Straße. Gleichzeitig zeigte das Navi noch über zweihundert Kilometer bis zur Unterkunft an. Also hieß es irgendwann: weiterfahren.
Eine Pause musste trotzdem sein. Bei 21 Grad, Sonne und leichtem Wind klingt das Wetter angenehm. Wer allerdings in voller Motorradmontur unterwegs ist, weiß, dass man beim Anhalten sofort ins Schwitzen kommt. Der Cappuccino entschädigte dafür: fünf von fünf Kaffeetassen. Die Italiener können es einfach.
Was mir unterwegs außerdem auffiel: Fiat Panda. Überall Fiat Panda. Alte Pandas, neue Pandas, gepflegte Pandas und solche, die vermutlich schon mehr Bergstraßen gesehen haben als ihre Besitzer. Je enger die Straßen wurden, desto sinnvoller erschien mir das Konzept.
Später führte mich die Route zum Passo San Marco. Dieser Pass verbindet seit Jahrhunderten die Bergamasker Täler mit dem Veltlin. Schon Ende des 16. Jahrhunderts ließ die Republik Venedig hier eine Handelsstraße bauen. Oben erinnern mehrere Tafeln und Denkmäler an die Geschichte des Passes und an die Alpini. Die Landschaft dort oben war beeindruckend. Die Wolken wurden allerdings zunehmend dunkler und ließen bereits erahnen, dass der Tag noch nicht ganz fertig mit mir war.
Danach erreichte ich den Comer See. Landschaftlich wunderschön. Fahrerisch eher anstrengend. Die Straßen waren voll. Busse, Wohnmobile, Autos und Motorräder kämpften sich durch die Orte. Teilweise regelten Verkehrseinweiser den Verkehr, weil sonst überhaupt nichts mehr ging. Spätestens dort wurde mir wieder klar, warum ich die kleinen Straßen bevorzuge. Die Gegend ist wunderschön, keine Frage. Aber dieser Massentourismus ist einfach nicht unser Pawtrail-Stil.
Auf der Küstenstraße gab es dann noch eine Überraschung. Ich sah den Motorradfahrer wieder, den ich vor ein paar Tagen in Prad getroffen hatte. Der mit seiner Honda, den drei Wochen Urlaub und den 4500 Kilometern vor sich. Bei all dem Verkehr und den vielen Motorrädern plötzlich genau ihn wiederzusehen, war schon kurios. Ich hob kurz die Hand zum Gruß. Ob er mich erkannt hat, weiß ich nicht. Manchmal ist die Welt erstaunlich klein.
Weil mir am Comer See irgendwann die Lust auf Stop-and-Go verging, führte mich die Route wieder hinauf in die Berge Richtung Col di Tremezzo. Laut Navi eine alte Militärstraße. Die Straße wurde immer schlechter. Aus Asphalt wurde Schotter. Schlaglöcher wurden größer. Die Wolken dunkler. Oben angekommen stellte ich fest, dass alles geschlossen hatte. Essen gab es also nicht.
Dafür traf ich einen deutschen Wanderer, der dort mit Zelt unterwegs war und sich gerade seine Suppe kochte. Während er die Nacht dort oben verbringen wollte, machte ich mich lieber auf den Weg Richtung Unterkunft. Kurz darauf begann der Regen.
Die letzten siebzehn Kilometer bis Laimo fuhr ich im Nassen. Nach den Wassermassen der vergangenen Tage war das allerdings fast harmlos. Am Abend erreichte ich schließlich meine Unterkunft in Laimo zwischen Comer See und Luganer See.
Fazit: Natürlich sind Orte wie der Comer See beeindruckend. Aber die Erinnerungen entstehen für mich nicht zwischen Souvenirläden, Reisebussen und Uferpromenaden. Sie entstehen auf kleinen Straßen, auf denen einem stundenlang niemand begegnet. Auf alten Militärstraßen, auf Schotterwegen, an Orten, die man vorher nicht kannte und vermutlich nie gezielt gesucht hätte. Genau das ist für mich Pawtrail: weniger Mainstream, weniger Sehenswürdigkeiten abhaken, dafür mehr Natur, mehr Abenteuer und mehr von den Wegen dazwischen. Denn oft sind es nicht die großen Namen auf der Landkarte, die in Erinnerung bleiben, sondern die Straßen, die man zufällig gefunden hat.











































































Danke für die Kuhfotds 🐄🐄🐄
Immer gerne! Dafür bin ich doch da! 🫡