thunderstorms-day-rain

📍 Sautens

🗓️ 2025-05-31

🌡️ 27°C

🏍️ 297 km gefahren

Nach dem technischen Eröffnungsdrama des ersten Tages begann Tag 2 überraschend versöhnlich: Ich hatte gut geschlafen.

Das war gar nicht so selbstverständlich, denn Aalen hatte am Samstagabend nochmal ordentlich Innenstadtprogramm aufgefahren. Laute Autos, Gegröle, Partystimmung – kurz gesagt: draußen war noch einiges los. Aber offenbar war ich nach Blinker, Rastplatz, Werkstatt und Nachtfahrt so platt, dass selbst das nicht mehr viel ausrichten konnte.

Morgens ging es also halbwegs erholt wieder los. Die alte Lady blinkte wieder links, ich war optimistisch, und eigentlich hätte jetzt alles ganz entspannt werden können.

Wurde es natürlich nicht. Schon beim Start war es schwül. So richtig schwül. Um die 27 Grad, dazu diese schwere Luft, bei der man schon schwitzt, bevor man überhaupt den Helm richtig aufhat. Trotz Sommerklamotten, Sommerhandschuhen und Sommerhalstuch fühlte es sich eher nach rollender Waschküche an.

Unterwegs machte ich eine Pause im Schatten, um mich ein wenig abzukühlen. Und genau dort hörte ich plötzlich Gewittergrollen. Nicht direkt über mir, aber nah genug, dass man es ernst nimmt. Also Blick in die Wetter-App. Die bestätigte ziemlich schnell, was das Grollen bereits angekündigt hatte.

Auf dem Regenradar zog eine riesige Gewitterfront auf mich zu. Und nicht nur so ein bisschen „hellblau, wird schon“. Nein, da war auch violett dabei. Für mich heißt violett im Regenradar ungefähr: Überleg dir als Motorradfahrer gut, ob du da wirklich reinwillst. Also ging es weiter mit einem klaren Ziel: vor der Front bleiben.

Das klappte zunächst erstaunlich gut. Das Radar behauptete zwar, der Regen würde mich trotzdem irgendwann einholen, aber ich hoffte auf die bewährte Mischung aus Timing, Glück und leichter Selbstüberschätzung. Zur Sicherheit hielt ich nochmal bei McDonald’s an, trank etwas und wartete kurz ab, ob das Unwetter wirklich loslegt.

Tat es nicht. Also weiter.

Im Ostallgäu wurde es landschaftlich immer schöner, wettertechnisch aber nicht wirklich entspannter. Es blieb bei etwa 26 Grad, schwül, warmem Wind und diesem Gefühl, dass die Luft dringend mal gelüftet werden müsste. Um mich herum zogen weiter Gewitter und kräftige Schauer, aber ich blieb trocken.

Und dann kam der Moment, auf den ich mich eigentlich seit April gefreut hatte: Die Alpen tauchten auf.

Schneebedeckte Gipfel, noch etwas diesig, aber ganz klar da. Keine ferne Andeutung mehr, kein „irgendwo dahinten müssten sie sein“, sondern echte Berge vor der Nase. Nach all dem Bangen um geschlossene Pässe, Wetter, Regen und Technik war das ein ziemlich schöner Moment.

Vorne die Alpen. Hinten die Gewitter. Dazwischen ich mit der alten Lady.

Es ging weiter Richtung Oberjoch und später zum Haldensee. Dort zeigte sich der Tag plötzlich von seiner freundlichen Seite: Sonne, 24 Grad und ein leichter Wind. Genau der Wind, den man nach Stunden in schwüler Luft nicht nur bemerkt, sondern innerlich mit Applaus begrüßt.

Auf dem Parkplatz wurde mir sogar ein kostenloses Parkticket angeboten. Einfach so. Kleine Geste, große Wirkung. Manchmal sind es unterwegs genau solche Momente, die hängenbleiben. Ich blieb kurz, genoss den Blick, die Sonne, den See und diese kurze Pause zwischen Gewitterradar und Weiterfahrt.

Als ich wieder loswollte, war auf dem Ticket noch massig Zeit übrig. Also verschenkte ich es an ein älteres Ehepaar, das gerade ankam. Die beiden freuten sich riesig darüber. Der Mann bedankte sich gleich mehrfach bei mir und schaute mir noch hinterher, als ich schon vom Parkplatz fuhr. So eine kleine Aufmerksamkeit kostet nichts und macht trotzdem beiden Seiten den Tag ein bisschen schöner.

Danach ging es weiter über das Hahntennjoch.

Oben lag teilweise noch Schnee, aber die erhoffte Abkühlung blieb trotzdem aus. Die Luft war hartnäckig schwül, als hätte sie beschlossen, mich heute persönlich zu begleiten. Trotzdem: Hahntennjoch, Berge, Kurven, Schneereste – genau dafür war ich unterwegs.

Anschließend fuhr ich durch Imst und weiter Richtung Sautens. Die Unterkunft lag etwas dahinter, erreichbar über eine sehr schmale Straße, auf der gefühlt gerade so ein Auto Platz hatte. Zwei Kilometer vor dem Ziel meldete die Blitz-App immer noch Einschläge in der Umgebung. Das Wetter war also noch längst nicht ausgestanden. Aber ich war trocken geblieben.

Und dann kam ich bei Jolanda und Friedrich in Sautens an. Was für ein Empfang. Die beiden waren sofort unglaublich nett und versorgten mich gleich mit Getränken. Auch die alte Lady bekam ihren wohlverdienten Platz: trocken in der Garage. Nach dem ersten Tag mit defektem Blinker, Lötkolben und Nachtfahrt fühlte sich das fast luxuriös an.

Später gab es dann noch Essen mit Aussicht. Und was für einer Aussicht: Garten, Berge, dramatische Wolken, grüne Hänge und diese Stimmung, bei der man automatisch einen Gang runterschaltet.

Bei so einem Blick schmeckt das Essen doppelt so gut. Tag zwei hatte Gewitter im Nacken, schwüle Luft im Helm und die ersten echten Alpenmomente vor der Nase. Aber am Ende stand ich trocken in Sautens, die alte Lady sicher in der Garage, und irgendwo zwischen Gartenblick und Bergkulisse war klar:

Jetzt ist die Reise wirklich angekommen.

Fazit: Nach dem Drama des ersten Tages rollte es endlich wieder. Die Alpen kamen in Sicht, das Bikerherz schlug spürbar höher – und mit den ersten grandiosen Ausblicken fühlte es sich an, als würde die Reise Frieden mit ihrem holprigen Start schließen.

Einzelheiten
2026-05-31 OIS Tag 2

Zentrum für Datenschutzpräferenzen