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📍 Lovere

🗓️ 2025-06-03

🌡️ 25 °C

🏍️ 275 km gefahren

Nach der Gewitternacht am Iseosee begann der Tag überraschend freundlich. Die Sonne schien, es waren 17 Grad, und eigentlich hätte alles perfekt sein können. Eigentlich. Denn der Regen vom Vortag hatte beschlossen, noch ein wenig mitzureisen.

Die alte Lady stand zum Glück trocken unter einer Überdachung. Meine Technik hingegen hatte die Wasserschlacht offenbar nicht ganz so gut überstanden. Das Navi-Handy wollte nur noch gelegentlich laden, das iPhone machte ebenfalls Zicken, und mein Intercom hatte sich komplett verabschiedet. Keine Navi-Ansagen mehr, keine Blitzerwarnungen mehr, nur noch die Karte vor der Nase.

Dazu kamen Motorradstiefel, die noch feucht waren, klamme Motorradklamotten und ein kleines Handtuch, das trotz Föhn und einer ganzen Nacht Trocknungszeit kaum trockener geworden war. Selbst das Badezimmer war morgens noch nass. Offenbar herrschte in dem Zimmer eine Luftfeuchtigkeit, bei der Wasser freiwillig bleibt.

Der kleine Hotelföhn kämpfte tapfer mit. Irgendwann wurde ihm die Sache allerdings zu viel und er schaltete sich wegen Überhitzung einfach selbst ab. Ich dachte kurz, ich hätte ihn endgültig erledigt. Nach dem Frühstück – zwei Cappuccino, die solide drei von fünf Kaffeetassen bekommen – ging es schließlich los.

Von Pisogne führte die Strecke zunächst über extrem schmale Straßen Richtung Gardasee. Teilweise passte dort kaum mehr als ein Auto durch. Häufig war nicht mehr als erster Gang und gemütliches Rollen angesagt.

Als wäre das nicht genug, kam noch eine Straßensperrung dazu. Also Umweg. Und weil das Intercom weiterhin tot war, verfuhr ich mich gleich mehrfach. Ohne Ansagen auf dem Ohr schaut man eben öfter aufs Display und merkt manche Abzweigung erst, wenn sie schon hinter einem liegt.

Die Gedanken fuhren die ganze Zeit mit. Wird das Intercom wieder funktionieren? Laden die Handys später wieder? Oder hat der gestrige Regen teure Souvenirs hinterlassen?

Irgendwann hielt ich an, nutzte die Sonne und legte einfach alles aus. Intercom, Kabel, Technik – alles bekam eine kleine Wellnessbehandlung auf einem Mäuerchen in der Sonne. Der Erfolg ließ zunächst auf sich warten.

Kurz darauf erreichte ich den Lago d’Idro. Nicht den Gardasee, aber bereits ein wunderschöner See, eingebettet zwischen Bergen und kleinen Straßen. Die Route wurde immer kurviger, immer einsamer und immer schöner.

Später führte mich die Strecke durch das Valvestino-Tal. Dort liegt der künstliche Lago di Valvestino mit dem Stausee von Ponte Cola. Schon gestern hatten mich die Cancano-Seen beeindruckt. Heute zeigte sich erneut, wie spannend diese Mischung aus Berglandschaft und Ingenieurskunst sein kann. Der Stausee entstand Anfang der 1960er Jahre und versorgt über das angeschlossene Wasserkraftwerk einen beachtlichen Teil der Region mit Energie.

Während ich dort unterwegs war, geschah dann etwas Unerwartetes. Mein Stoßgebet wurde erhört. Das Intercom funktionierte plötzlich wieder. Ein Knopfdruck. Ein Lebenszeichen. Und wenige Sekunden später waren die Navi-Ansagen zurück.

Wer noch nie stundenlang ohne funktionierendes Intercom unterwegs war, wird die Erleichterung vermutlich nicht nachvollziehen können. Für mich war das ungefähr so, als hätte jemand einen verloren geglaubten Reisebegleiter wieder eingesammelt.

Weiter ging es Richtung Gardasee. Zumindest theoretisch. Praktisch stellte ich dort schnell fest, dass sich gefühlt ganz Oberitalien gleichzeitig auf den Weg gemacht hatte. Verkehr, Stau und viele Fahrzeuge. Die großen Stopps blieben deshalb aus. Der Gardasee durfte kurz vorbeiziehen, während ich mich lieber wieder auf die kleineren Straßen konzentrierte.

Ein deutlich größerer Erfolg wartete an der Strada della Forra. Zumindest dachte ich das zunächst. Dort angekommen stellte ich fest, dass das Restaurant geschlossen hatte. Perfekt. Also holte ich einen Liegestuhl, setzte mich in den Schatten und verspeiste die Notration aus der Satteltasche. Während manche vorbeikommenden Menschen etwas irritiert schauten, gab es von anderen anerkennende Daumen nach oben.

Ich glaube, die Daumen-hoch-Fraktion hatte verstanden, worum es beim Reisen geht. Man nimmt, was der Tag einem gibt. Und manchmal ist das eben ein Liegestuhl, eine Notration und eine grandiose Aussicht.

Später führte mich die Route weiter über den Passo Crocedomini. Von diesem Pass hatte ich vor der Reise noch nie gehört. Heute gehört er für mich zu den positiven Überraschungen der Tour.

Kaum Verkehr, angenehme Temperaturen, fantastische Landschaft und endlich einmal entspanntes Fahren. Während unten in den Tälern bei etwa 25 Grad geschwitzt wurde, war es hier oben angenehm kühl. Ein paar Fahrradfahrer, einige Motorradfahrer und ansonsten erstaunlich viel Ruhe. Die Straßen sind teilweise absurd schmal. Oft gefühlt kaum breiter als zwei Meter. Begegnet einem dort ein Auto, wird es sportlich. Heute hatte ich den Pass aber fast für mich allein.

Genau solche Orte machen eine Reise besonders. Nicht die Namen, die jeder kennt, sondern die, von denen man vorher noch nie gehört hat.

Am Abend erreichte ich schließlich Lovere am Iseosee. Praktisch auf der gegenüberliegenden Seite von dort, wo ich gestern übernachtet hatte.

Die Unterkunft ist bisher die schönste der Reise. Groß, modern, klimatisiert und gleichzeitig mit schönen alten Holzelementen ausgestattet. Eigentlich genau die Art von Unterkunft, in der man gerne etwas mehr Zeit verbringen würde.

Leider war es bereits spät geworden. Nach einer Dusche holte ich mir noch eine Pizza. Allerdings muss sie sich der gestrigen deutlich geschlagen geben. Nicht jeder Italiener kann eben Pizza! Irgendwo muss man schließlich Maßstäbe setzen.

Fazit: Manchmal braucht es keine Perfektion. Manchmal reicht ein störrisches Intercom, das plötzlich wieder spricht, und das Gefühl, dass die Reise ihren ganz eigenen, wunderbar schrägen Plan verfolgt.

Einzelheiten
2026-06-03 OIS Tag 5

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