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📍 Siebeldingen

🗓️ 2026-04-23

🌡️ 20°C

🏍️ 216 km gefahren

Heute war kein Tag für Rekorde oder große Sensationen, sondern eher einer für Übergänge. Die Vogesen wurden flacher, die Landschaft weiter, und trotzdem hatte die Strecke noch mehr als genug Charakter, um nicht einfach nur als Heimfahrt durchzugehen.

Die Nacht war gut und erholsam. Am Morgen waren es draußen 6 Grad, dazu strahlender Sonnenschein und keine einzige Wolke. Laut Wettervorhersage sollte es nun jeden Tag bis an die 20 Grad gehen — was auf dem Motorrad zwar erstmal gut klingt, praktisch aber gar nicht so einfach ist. In den Motorradklamotten steckten noch die Wintereinlagen, und die ließen sich wegen der Platzprobleme eben nicht mal schnell ausbauen und irgendwo verstauen. Gleichzeitig war es morgens und abends weiterhin kühl, sodass „einfach dünn anziehen“ auch nicht wirklich funktionierte. Also hieß es mal wieder: improvisieren. Kein dicker Pulli, etwas Luftigeres drunter, dünnes Halstuch — und dann schauen, wie sich der Tag entwickelt.

Bevor es Richtung Deutschland gehen sollte, stand natürlich Frühstück auf dem Plan. Und das gab es heute ganz klassisch bei einer französischen Boulangerie. Wirklich lecker, muss ich sagen. Der Kaffee bekommt von mir 4 von 5 Kaffeetassen. Der Haken war nur: Die Tasse war gefühlt halb leer. Geschmacklich gut, aber eher was für den hohlen Zahn als fürs Wachwerden. Nach drei Schlucken war das Thema im Grunde schon wieder erledigt. Aber gut — Croissants lecker, also wollen wir mal nicht kleinlich sein. ☕

Danach ging es weiter durch die nördlichen Vogesen. Und auch wenn ich zwischendurch dachte, so langsam aus den Vogesen herauszufahren, wurde schnell klar: Ganz so einfach verabschieden die sich nicht. Immer wieder tauchten neue Hügel auf, dann wieder Täler, dann kleine Pässe. Gerade im Bereich westlich von Schirmeck, rund um den Col du Hohwalsch, war ich noch durch große Waldgebiete unterwegs. Viel Ruhe, viel Grün, landschaftlich richtig schön — auch wenn die Straßen dort stellenweise ziemlich mitgenommen waren. Kein perfekter Belag, aber genau diese Mischung aus Wald, schmaler Straße und leicht rauer Oberfläche hatte trotzdem ihren Reiz.

Überhaupt war die Landschaft heute auffällig schön, weil jetzt so vieles anfängt zu blühen. Überall dieses Wechselspiel aus hellem Grün, dunklem Grün, gelben Blumen, gelbem Raps und dazu weißen Blüten in den Bäumen. Genau diese Farben machen im Frühling den Unterschied. Es ist nicht mehr dieses kahle oder noch halb winterliche Bild, sondern alles wirkt lebendig, weich und freundlich.

Später ging es dann noch ein Stück am Marne-Rhein-Kanal entlang. Mit Schleusen, Booten und dieser künstlich ruhigen Wasserlinie wirkte das nach den Waldstraßen und Vogesenhügeln beinahe wie ein kleiner Szenenwechsel. Gerade noch Kurven, Wald und Mittelgebirge — und plötzlich diese fast schon gelassene Kanallandschaft.

Kurz vor der deutschen Grenze wurde es dann nochmal interessant. Eigentlich dachte ich da schon, ich sei fast raus aus den Vogesen. Aber rund um Lembach zeigte die Gegend nochmal, was sie kann. Plötzlich türmten sich wieder Hügel auf, ich fuhr durch Täler und kleine Pässe und merkte: Die Nordvogesen sind noch nicht fertig mit mir. Erst mit dem Grenzübertritt Richtung Nothweiler ging das Ganze langsam in eine andere Landschaft über.

Dazu kam heute noch ein ganz praktisches Problem, das wahrscheinlich viele Motorradfahrer kennen: Solange ich fuhr, waren auch 18 bis 20 Grad noch ziemlich angenehm. Ein bisschen Wind, etwas Fahrt, alles gut. Aber wehe, es ging durch Ortschaften, durch Umleitungen oder hinter langsamem Verkehr her — dann wurde es in den schweren Klamotten plötzlich richtig warm. Genau das ist heute passiert, als wegen einer Streckensperrung der Verkehr durch eine Stadt umgeleitet wurde. Da habe ich bei 20 Grad in den Motorradklamotten ordentlich geschwitzt. Spätestens da war klar: Das Wetter ist wunderschön, aber fahrerisch wird es langsam tricky. Morgens zu kühl für ganz dünn, nachmittags fast schon zu warm für die noch wintertaugliche Montur. Ein bisschen wie letztes Jahr also — und am Ende hilft nur: durchhalten und sich irgendwie arrangieren. 😄

Am Ende des Tages bin ich in Siebeldingen angekommen, in Rheinland-Pfalz. Kein spektakulärer Zielort mit Alpenpanorama oder Passschild, aber ein schönes Tagesziel. Nach Wald, Kanal, Weinregion und den letzten Vogesen-Kilometern fühlte sich das nach einer stimmigen Etappe an.

Fazit: Die nördlichen Vogesen haben sich heute nochmal richtig schön gezeigt. Viel Frühling, viel Abwechslung, ein paar kleine Straßen- und Temperaturkapriolen — und genau deshalb war das am Ende ein richtig guter Fahrtag. 🏍️🌿

Einzelheiten
2026-04-23 Jura Tag 6

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